Instagram: Visual Social Media Storytelling

Visuelles Storytelling wird als Einsatz von Bildern, Videos, Infografiken, Präsentationen und anderen visuellen Inhalten auf Plattformen sozialer Medien definiert, um grafische Geschichten um die Key Brand Values (Schlüsselwerte einer Marke) und deren Angebot zu schaffen.

Dies als Folge der kontinuierlichen Weiterentwicklung der sozialen Medien und der Verhaltensänderungen von Benutzern sowie Unternehmen. Von den späten 1990er Jahren bis in die Mitte der 2000er Jahre schufen Seiten wie Myspace, Flickr und Facebook erste Möglichkeiten für visuelle Interaktion. Schaut man sich diese Plattformen genauer an stellt man fest, dass all diese Seiten eine Antwort auf den grossen Fluss an Inhalten im Internet waren, von denen die meisten visueller Natur waren. Bereits damals schon sorgten Blogeinträge mit visuellen Inhalten für mehr Klicks als andere ohne Bilder [1].

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Die Möglichkeit, ein Foto zu schiessen oder ein Video aufzunehmen und es auf sozialen Medienkanälen zu teilen war noch nie so einfach, weil jeder jederzeit ein Smartphone griffbereit hat. Aus diesem Grund, aber auch der Einfachheit, ist das Wachstum und die Beliebtheit von Facebook, Instagram, Tumblr etc. ungebremst.

Im Jahre 2010 wurde das zweitpopulärste soziale Netzwerk der Welt namens Instagram gegründet. In Instagram kann man Videos und Bilder hochladen, diese über andere soziale Netzwerke verbreiten und mit der ganzen Welt teilen.

Ein typisches Erkennungszeichen von Instagram war bis anhin die Umwandlung der Bilder in eine quadratische Form in Anlehnung an die Momentfotografie wie beispielsweise diese von Polaroid und Kodak. Seit dem 28. August 2015 können Nutzer auch Fotos im langgezogenen Querformat und im Hochformat hochladen.

Im August 2014 zählte Instagram total 20 Milliarden hochgeladene Fotos insgesamt. Jeden Tag werden mehr als 80 Millionen Bilder neu gepostet und etwa 3.5 Milliarden Likes vergeben [6].

Nicht schlecht für ein digitales Fotoalbum. Es stellt sich die Frage, aus welchem Grund überhaupt ein so grosses Mitteilungsbedürfnis besteht und weshalb diese Plattform so geschätzt wird?

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Es ist bekannt, dass Menschen sich von Natur aus vor anderen profilieren und anderen etwas beweisen wollen. Beweisen, dass das eigene Leben viel interessanter und abwechslungsreicher ist oder das sie angesehener und erfolgreich sind als ihre Mitmenschen. Die einen prahlen mit Fotos aus exquisiten und angesagten Restaurants, die anderen mit unendlich langen Reisen an ungewöhnlichen Orten. Doch manchmal trügt der Schein.

Max Knoblauch, Journalist, Komödienschrieben und Illustrator, hat schon Kategorien definiert, in welchem die Nutzer anhand Ihrem Nutzungsverhalten klassifiziert werden [5]. Hier sind drei Beispiele, die ich selber sehr aktuell finde:

 

foodie

 

 

Eine häufige Sichtung, Foodies sind bekannt dafür, jede erdenkliche gegessene Mahlzeit seit Gründung von Instragram im Jahre 2010 zu fotografieren und zu posten. 80% der gezeigten Foodies gehen auf das Konto von Sushi und Cronuts.

 

 

vacationers

 

 

Rio de Janeiro, Cancún, Harry Potter World — Dieses Paar weilt immer in den Ferien. Arbeiten sie bei Google? Gehört ihnen Google? Wie können sie sich so oft Urlaub leisten? Du hasst sie, ihre attraktiven Gesichter, braungebrannten Körper und ihr perfektes Lebe.

 

 

selfiegirl

 

 

Am Fototag, an der Silvesterpary, in ihrer Hochzeitsnacht – dieser Instagrammer hört niemals auf Selfies zu schiessen. Das schlimme daran ist – auf jedem Foto macht sie den gleichen Gesichtsausdruck.

 

 

 

Doch darf man die Nutzer von Instagram nicht verallgemeinern. Instagram ist auch die ideale Plattform für viele Zeitungen, Fotografen und PR-Firmen um Informationen und Nachrichten blitzschnell weltweit zu streuen. Ausserdem ist die Grundlage dafür kostenlos.

Aus meiner Subjektivität in die Objektivität übergehend möchte ich auf die Statistik „die Gründe für die Nutzung von Social Media[3] blicken. Man sieht, dass an erster Stelle das Marketing steht. Eine andere Statistik, die hat mich interessiert ist der „beliebteste Instagram-Account nach Anzahl Follower weltweit[4]. Diese wird von Kim Kardashian mit ihren 48.1 Millionen Followern angeführt.

Sie ist ein perfektes Beispiel von gut überlegter Inszenierung und gut durchdachter PR- Strategie, gegründet auf Ruhm und Selbstverliebtheit. Sie würde ich zu Kategorie „Selfie Girl“ ergänzen.

Alle wissen wer Kim Kardashian ist, aber nur die wenigsten kennen ihre Geschichte:

Kimberly Noel Kardashian ist am 21 October 1980 in Los Angeles, Kalifornien, geboren. Ihre Familie kommt ursprünglich aus Armenien. Ihre grosse Berühmtheit hat Kim Kardashian mit der Realityshow „Keeping up with the Kardashians“ erlangt. Die Sendung wurde das erste Mal im Jahre 2007 ausgestrahlt und hatte bereits in den ersten vier Wochen mehr als 13 Millionen Fernsehzuschauer erreicht. Damals war sie 27 Jahre alt.

Im Jahr 2015 wurde sie durch das Forbes Magazin auf Platz 33 der 100 bestverdienendsten Prominenten mit einem jährlichen Einkommen von 52.5 Millionen Dollar gelistet [2].

Obwohl sie von vielen Leuten kritisiert wird finde ich, dass sie bis jetzt genau alles richtig gemacht hat. Sie hat ein perfektes Erscheinungsbild kreiert und mit ihrem Namen eine Vermarktungsstrategie entwickelt, dass nicht nur mehr sie selber im Mittelpunkt steht, sondern ihr Name als Marke viel Geld einbringt.

Wie fest sie die sozialen Netzwerke im Griff hat beweist ein Gerücht, wonach sie nur mit einem einzigen Twitter Eintrag im Jahre 2010 zu ihren 2.7 Millionen Followern mehrere 10’000 Dollar verdient hat. Der Twitter Eintrag lautete übersetzt wie folgt:

„The Carl’s junior Hähnchensalat ist gestern raus gekommen! Ich bin auf dem Weg zum Mittagessen bei Carl’s junior. Habt ihr diesen auch schon probiert?“[2]

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Die Regeln der erfolgreichen Marketingstrategie kennt sie sehr gut. Mit ihrer Popularität schoss logischerweise auch ihr Honorar in astronomischen Höhen. Anfänglich wurde sie nur um sich in einem Club blicken zu lassen mit $ 20’000.- honoriert. Für ihre wachsende Beliebtheit und ihre Selbstvermarktung werden mittlerweile Gagen bis zu $ 100’000.- bezahlt [2].

Ihr ganzes Leben wurde auf der Plattform von Visual Social Media aufgebaut und zeigt, dass sich der Schwerpunkt von textlastigen Inhalten auf visuelle Erzählungen verlagert hat. Sie hat die Wichtigkeit erkannt, technologisch nicht stehen zu bleiben und ihre Selbstvermarktung weiter voranzutreiben.

Bereits sieben Apps zur Kardashian Familie wurden in den letzten paar Jahren entwickelt. Das Spiel Kim Kardashian: Hollywood ist eines Ihrer erfolgreichsten Apps und hat seit Release bereits $ 113 Millionen in Ihre Kasse gespült [7].

Am 21. Dezember 2015 hat Kim ihr neuestes App names „Kimoji“ präsentiert. Den Namen und den Inhalt hat sie von der bekannten App „Emoji“ abgeleitet, wo man verschiedene Smileys nutzen kann um zahlreiche Emotionen auszudrucken. In Ihrer App geht es aber nicht mehr um runde und gelbe Gesichter, sondern zeigen Kim in verschiedenen Handlungen und ihren Lebensstil: weinende Kim, schwangere Kim, Kim am Selfie schiessen, Kim’s Po, Kim im Bikini etc.

Ob es Sinn macht so etwas zu kaufen und zu benützen sei dahingestellt. Doch während sich man diese Frage stellt, hat sie bereits wieder ihre nächste und bestimmt auch nicht letzte Million verdient.

Vergessen darf man auch nicht, dass ihr jetziger Ehemann Kanye West eine wichtige Rolle in ihrer Entwicklung spielt. Nur ihm ist es zu verdanken, dass Kim Kardashian so ist wie sie ist – erfolgreich, stark und ein Idol für Millionen von Menschen. Er war der Grund dafür, warum sie ihren Kleiderstil komplett geändert hat oder besser gesagt, Stil bekommen hat. Den Stil, den alle kennen und alle versuchen zu kopieren. Kanye West nahm es sich zur Aufgabe, sobald sie zusammen kommen würden ihren Kleiderschrank auszuräumen [2] – und das war einer der wichtigsten Momente in ihrer Karriere.

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Es gibt noch hunderte Beispiele von erfolgreichen Strategien, vor allem Social Media-Strategien, die sie zur Königin von Instragam aber auch zur Idolkönigin unserer heutigen Generation gemacht haben. Dies beweist, dass das von ihr publizierte Buch, welches nur von ihr selber gemachten Selfies beinhaltet, bereits nach wenigen Monaten zum Bestseller gekürt wurde.

Während der Rede zum Thema „Storytelling goes social“ im Rahmen der Münchner Medientage hat Jennifer Schwanenberg, Programm- und Innovationsmanagerin der Deutschen Presse-Agentur, gesagt:

„Egal was ihr nutzt und egal warum ihr es nutzt, bleibt immer authentisch.“

– dieses Prinzip sehen wir auch in der ganzen Vermarktung von Kim Kardashian.

Sie ist einfach ein Phänomen unserer Zeit. Sie erzählt uns ihre Lebensgeschichte auf allen möglichen Kanälen und lässt in jedem Augenblick ihres Lebens Millionen von Menschen teilhaben. Wir wissen, wann sie ihr Kind gebärt, welchen Namen sie ihm gibt, was sie heute zu Abend gegessen hat und wann sie sich schlafen legt.

Aber wieso macht man das?

Jeder User will der ganzen Welt seine eigene persönliche Geschichte erzählen. Und es ist viel einfacher, dies mit Bildern statt mit unzählig langen Texteinträgen in einem Blog oder über Facebook zu machen. Ebenso haben wir viel zu wenig Zeit oder sind schlicht zu faul dies mit Texten zu tun. Deshalb ist die Fotografie das ideale Mittel in der heutigen Gesellschaft, Informationen jemandem zu übermitteln.

„Wir leben in einer sehr lauten Welt. Es gibt viel Konversation und Buzzwords um uns herum. Der beste Ausweg aus dieser Situation sind visuelle Inhalte. Dinge zu bebildern. Über tausende Jahre hinweg haben die Menschen bloss gezeichnet. Führen wir uns die Geschichte der Kommunikation seit damals bis heute vor Augen führen, so stellen wir fest, dass die Menschen immer Informationen miteinander teilen wollten. Am längsten taten sie dies um das Lagerfeuer herum, wo sie Geschichte, Gedichte und Lieder wiedergaben. Das war die vorhandene Technologie. Schon immer wollten wir Bilder mit anderen teilen. Malereien waren die einzige Möglichkeit, eine Botschaft visuell darzustellen. Danach erst folgten das geschriebene Wort und die Druckerpresse. Lassen Sie uns nun zum heutigen Tag springen. Was steht uns da heute alles zur Verfügung? Unsere kühnsten Träume scheinen uns zum greifen nahe. Ich möchte eine Geschichte mit Ihnen teilen und zwar visuell: alles, was ich dafür tun muss, ist ein Bild in eine Email zu packen und Ihnen diese zuzusenden. Ich stell es auf Twitter oder teile es auf Facebook, Flickr oder Instagram. Es überrascht nicht, dass wir auf diesen Plattformen Milliarden von Bildern teilen. Es macht absolut Sinn – wir wollten schon immer Bilder miteinander teilen, jedoch fehlte uns bislang die richtige Technologie um dies zu tun. Nun können wir das tun. Dies ist aus meiner Sicht der grösste Trend im Bereich Marketing und Kommunikation. Die ‚einfachen‘ Technologien, von denen wir immer geträumt haben, mit denen wir ganz einfach Inhalte auf visuelle Art und Weise teilen können.“

– Dan Roam, Expert auf dem Bereich Visual Storytelling und Autor des internationalen Bestsellers: ‚The Back of the Napkin: Solving Problems‘ und ‚Selling Ideas with Pictures‘ [1].

____________________________________

QUELLEN:

Literatur:

[1] Ekaterina Walter und Jessica Gioglio: The Power of Visual Storytelling: How to Use Visuals, Videos, and Social Media to Market Your Brand. McGraw-Hill Education, 2014.

[2] Sean Smith: Kim Kardashian. Harper Collins Publishers, 2015.

Webseiten:

[3] http://de.statista.com/statistik/daten/studie/214159/umfrage/gruende-fuer-die-nutzung-von-social-media-durch-unternehmen/

[4] http://de.statista.com/statistik/daten/studie/427067/umfrage/top-10-instagram-accounts-mit-den-meisten-followern-weltweit/

[5] http://mashable.com/2013/11/17/types-instagram-users/#f9VMRRwgrSqJ

[6] https://www.instagram.com/press/

[7] http://www.theguardian.com/technology/2015/dec/23/kim-kardashian-emoji-app-kimoji-apple

Bilder:

https://www.instagram.com/kimkardashian/

https://www.instagram.com/foodporno/

https://www.instagram.com/selfiec/

https://www.instagram.com/k_sto/

Video:

http://www.medienportal.tv/videos/mediaitem/747-diskussion-storytelling-goes-social-kanaele-anwendungsbeispiele

 

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